Freitag, 6. März 2020

Methodierst Du noch oder lebst Du schon?

Ja, ich gebe zu: Dieses Wort gibt es nicht. Dabei frage ich mich, warum eigentlich nicht? Oft werde ich gefragt: "Und? Nach welcher Methode arbeitest Du?" und ich stelle die Gegenfrage: "Und? Nach welcher Methode liebst Du Deinen Partner?" Verwirrte Gesichter schauen mich an und manch einer geht irritiert aus diesem Gespräch.
Was ist das denn für ein Gedanke, eine Grundannahme, man müsse mit seinem Hund nach einer Methode umgehen?
Mein Hund ist doch nicht ein Stück Holz, welches ich nach Methode x oder y bearbeite? Obwohl ich zugeben muss, dass das Ergebnis auch bei meinem Hund einem Kunstwerk gleicht, zumindest ist es ähnlich faszinierend.
Zurück zur Methode: Früher war ich immer schon irritiert, wenn Menschen mich fragten, ob ich "englisch" oder "western" reite. Mit dem Horn am Sattel war ich dann direkt in der Schublade. Es interessierte keinen, ob ich meinem Pferd beim Reiten Schaden zufügte oder nicht. Einzig die "Methode" nach…Hempfling, Branderup oder Kreinberg (um nur einige zu nennen) interessierte, um zu bewerten, ob es gut oder schlecht war, ob ich mir den teuren Guru leisten konnte oder eher die zweite Wahl nahm.
Jetzt kriege ich die selbe Frage von Kunden, Hundebesitzern und sogar Berufskollegen gestellt - ich bin immer noch irritiert!
Ich weiß natürlich, was gemeint ist, aber das macht mich wirklich fassungslos. Warum hängen Menschen an Methoden wie die Kletten im Fell meines Hundes? 

Ich vermute: Eine Methode macht klare Vorgaben, was zu tun und zu lassen ist, sie nimmt die Verantwortung aus dem eigenen Hirn. Man kann sich auf die Methode, den Guru berufen, wenn es Kritik gibt oder etwas nicht funktioniert. Eine Methode gibt mir (scheinbare) Sicherheit und wenn sie zudem noch von vielen anderen eingesetzt wird, kann sie ja nicht falsch sein. 
Man stellt sich und seine Meinung und Überzeugungen gerne hinter den Mainstream und schwimmt lieber der Masse hinterher. Es ist mindestens bequem und man fällt nicht auf. Was alle tun kann nicht verkehrt sein und wenn alle dann auch noch die gleichen Probleme habe wie man selbst, ist man immerhin in bester Gesellschaft. Das ist dann wohl so und wird als normal hingenommen. Zu mühsam wäre das Selber-nachdenken, unbequem die Nachfragen der anderen. Da bleibt man lieber mit all den anderen im Sumpf hängen.
Die Menschheit hat sich weiterentwickelt, weil es immer welche gab, die so neugierig waren, dass sie ausgetretene Pfade verlassen haben. Die breite Masse hat das Menschsein nicht vorangetrieben, es waren einzelne Menschen, die innovativ und "anders" waren und mindestens für sich anders entschieden haben. Abweichend vom Mainstream, die auch mal experimentiert haben und Risiken eingegangen sind, ja, die auch Mut zum Scheitern hatten.
In jedem von uns schlummert diese kleine Pippi Langstrumpf, die sich traut, den anderen den Kampf anzusagen, sich die Welt nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Wo in Dir steckt die kleine Pippi?
Das Zusammenleben mit einem Hund ist eine Entscheidung, die alleine DU getroffen hast. Dein Hund erwartet zu Recht eine soziale Einbindung in die neue soziale Gruppe von Menschen. Er erwartet zu Recht die Fortführung der Bindung wie er sie von seiner Mutter kennengelernt hat. Er kann biologisch nichts Anderes erwarten als die Fortführung dessen, wozu er geboren ist. Die Natur hat kein Konzept für "Adoptiert-werden von einem Artfremden", er würde bei seiner Mutter und seinen Geschwistern bleiben und zu diesen eine bestimmte Bindungsqualität aufbauen. Es ist unsere Verantwortung, das fortzuführen. Und der Bindungsaufbau funktioniert nicht nach einer Methode, sondern dadurch, dass man die biologischen Gesetzmässigkeiten für den Bindungsaufbau kennt und berücksichtigt. Das bedingungslose und prompte Erfüllen der Grundbedürfnisse ist z.B. einer der grundlegenden Aspekte. Dabei gibt es sogar Methoden, die mit dem Vorenthalten genau dieser Grundbedürfnisse arbeiten und von sich behaupten, sie würden darüber die Bindung aufbauen.
Wenn wir mit unserem Partner zusammenleben und unsere Kinder in ihr Leben begleiten, dann ist die Grundlage dafür doch nicht eine Methode?! Wir sind so wie wir sind, in unserer ganzen Persönlichkeit, und das Zusammenleben ergibt sich aus unserer Persönlichkeit und der unseres Partners oder Kindes. Dabei geht es auch um Diskussionen, Auseinandersetzungen und Grenzen und Regeln, die besprochen, eingehalten und angepasst werden. Aber das ist doch keine Methode? Methoden sind Korsette, die allen gleichermassen übergestülpt werden ohne die Individualität oder jeweilige Bindungsqualität zu berücksichtigen. Methoden sind pauschale Vorgehensweisen, die weder angepasst auf den einzelnen angewendet werden, noch dessen individuelle Bedürfnisse berücksichtigen.
Das war nie mein Weg, aber ich biete Dir an: Komm mit auf diese spannende Reise, den Hund, DEINEN Hund zu entdecken. Mach Dich frei von Methoden, schalte Dein eigenes Hirn ein, fühle in Deinem Bauch und Herz.
Deshalb: Methodierst Du noch oder lebst Du schon?

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